| Brachliegende Gewerbefläche liefert bald Strom für mehr als 11 700 Haushalte
Reckahn: Die Beck Energy GmbH plant bei Reckahn (Gemeinde Kloster Lehnin, Landkreis Potsdam Mittelmark) den Bau eines der größten Freiflächensolarkraftwerke in Brandenburg. Auf zwei Flächen mit einer Gesamtgröße von mehr als 90 Hektar soll in einem brachliegenden Gewerbegebiet umweltfreundlicher Strom für mehr als 11 700 Haushalte produziert werden. Die Bauarbeiten sollen Anfang nächsten Jahres beginnen.
Mehr Unabhängigkeit von herkömmlichen Energien! Das wünscht sich der Bürgermeister der Gemeinde Kloster Lehnin, Bernd Kreykenbohm. „Wir können mit unserer Anlage einen enorm wichtigen Beitrag dazu leisten“, macht Detlef Kunkel klar. Für den Projektentwickler der Beck Energy GmbH liegt der wichtigste Vorzug des geplanten Freiflächensolarkraftwerks bei Reckahn auf der Hand. Die Ökobilanz der Gemeinde könnte erheblich aufgebessert werden. Schließlich würde von den Modulen, die auf zwei Flächen mit einer Gesamtgröße von gut 90 Hektar aufgestellt werden sollen, jährlich Strom für mehr als 11 700 Haushalte produziert werden ‐ und das 20 Jahre lang. Entsprechende Pachtverträge zwischen der Gemeinde und dem Solarunternehmen aus Kolitzheim (Landkreis Schweinfurt/Unterfranken) wurden bereits unterzeichnet. Das Projekt bedeutet für Kloster Lehnin nach Anlagen für Windenergie und Biogas einen weiteren wichtigen Beitrag zur Erreichung des im Gesetz zum Vorrang erneuerbarer Energien (EEG) vorgegeben Ziels, den Anteil erneuerbarer Energien bei der Stromversorgung bis 2020 auf 30 Prozent zu steigern. Das Kraftwerk bei Reckahn könnte zudem einen Vorbildcharakter für die ganze Region haben. Schließlich ist es eine der größten Anlagen in ganz Brandenburg. Der Gemeinde Kloster Lehnin ist es gelungen, mit der Beck Energy GmbH endlich einen Interessenten für ein seit Jahren brachliegendes Gewerbegebiet, das bisher vor allem als Acker genutzt, wurde zu finden. „Wir sind ständig auf der Suche nach passenden Flächen“, erklärt Stefan Brabant, Leiter der Niederlassung Mitte in Jessen, gut 100 Kilometer entfernt von Kloster Lehnin. Auf das Gebiet bei Reckahn wurde man durch das Amt für Wirtschaftsförderung aufmerksam. „Das ebene Areal eignet sich sehr gut“, sagt Stefan Brabant.
Auf 56 Hektar im Bereich der so genannten Steinpyramide und auf 35 Hektar westlich der Straße nach Göttin sollen ab Anfang nächsten Jahres die bis zu 3,5 Meter hohen Ständer mit den Solarmodulen in langen Reihen aufgestellt werden. Die Beck Energy GmbH setzt dabei auf modernste Technik. „Wir verwenden First‐Solar‐Dünnschichtmodule“, erläutert Detlef Kunkel. Die in Frankfurt/Oder hergestellten Module zeichnen sich durch extreme Langlebigkeit aus. Ein von Bernhard Beck, Geschäftsführer der Beck Energy GmbH, entwickeltes Wechselrichter‐System sorgt zudem dafür, dass auch an Tagen mit wenig Sonne die Stromproduktion möglichst effektiv läuft. Großen Wert legt man beim Kolitzheimer Unternehmen auch auf dem Umweltaspekt. „Rund um die Anlagen werden hohe Hecken, Sträucher und Büsche gepflanzt“, erläutert Detlef Kunkel. Die sorgen dafür,dass die Solarmodule in Reckahn von außen kaum einsehbar sein werden. Grün wird auch innerhalb der Kraftwerksflächen die vorherrschende Farbe sein. „Wir verbrauchen kaum Land und versiegeln kaum Flächen“, erklärt der Projektentwickler. Unter und zwischen den Modulen legt die Beck Energy GmbH großen Wert auf eine extensive Begrünung, die auch Kleinlebewesen, wie Grashüpfern oder Käfern, als Lebensraum dient. „Die Anlage hat fast den Charakter eines Biotops und passt sich sehr gut in die Landschaft ein.“
Zudem haben die Anlagen eine hohe Flächeneffizienz. Es wird kaum Land verbraucht, aber dennoch viel Strom erzeugt. In Reckahn 39 Millionen Kilowattstunden im Jahr. „Wollte man die gleiche Menge mit Biomassekraftwerken erzeugen, müsste man auf gut 900 Hektar Mais anbauen“, erklärt der Projektleiter. Für die Stromproduktion mit Biogas würde die verbrauchte Fläche gar bei etwa 4000 Hektar liegen. Mit dem Kraftwerk in Reckahn, das zu 100 Prozent ökologischen Strom liefert, könnten jährlich fast 41.500 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Mit dem Bau der Anlage, der in der Region durchaus weitere folgen könnten, leistet die Beck Energy GmbH auch einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen im Land Brandenburg. Die Fertigstellung der Anlage wird von der Bauabteilung des Unternehmens in Luckenwalde, die etwa 83 Beschäftigte hat, übernommen. Die Module kommen aus Frankfurt/Oder und auch die Niederlassung Mitte von Beck Energy liegt gerade einmal 100 Kilometer entfernt. Das geplante Freiflächensolarkraftwerk ist ein regionales Projekt im Sinne des Klimaschutzes. „Außerdem geben wir der Gemeinde Kloster Lehnin durch den Bau der beiden Anlagen eine gewisse Handlungsfreiheit zurück“, erläutert Stefan Brabant. Durch Belegung und Nutzung von gut drei Vierteln der Fläche des bisher brachliegenden Gewerbegebiets hat die Gemeinde nun wieder die Möglichkeit, Planungs‐ und Ansiedlungsvorhaben an anderer Stelle voranzutreiben.
Mit der Beck Energy GmbH tritt in Reckahn ein Pionier in Sachen Freilandsolarkraftwerke auf. Die 2002 gegründete Firma mit Sitz in Kolitzheim ist europaweit das einzige Unternehmen, das schlüsselfertige Solarkraftwerke ohne Inanspruchnahme von Subunternehmern plant und baut. In Europa wurden bereits mehr als 55 solcher Anlagen gebaut. In Spanien, Frankreich, Tschechien, Rumänien und Amerika genauso wie in der Region. Die Beck Energy GmbH verwendet zudem eine äußerst effektive Technologie. Die Module werden mit Dünnschicht‐Technologie produziert und zeichnen sich auch durch extreme Langlebigkeit aus. Mit Hilfe der Solarmodule wird aus dem Sonnenlicht Gleichstrom produziert. Wechselrichtersysteme wandeln diesen Gleichstrom in Wechselstrom um, der ins öffentliche Versorgungsnetz eingespeist wird. Für jede Kilowattstunde wird eine gesetzlich festgelegte Vergütung bezahlt, die derzeit bei 31,94 Cent liegt.
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